Marian de Charetty

Rogier van der Weyden, Lady Wearing a Gauze Headdress, ca. 1445


Marian de Charetty war klein, rundlich und tatkräftig, ihr durchdringender Blick kam aus strahlend blauen Augen, und in ihren Adern floß zinnoberrotes Blut, das ihre Lippen und ihre Wangen unter den schmalen kastanienbraunen Brauen färbte. Ihr Haar hatte er zwar nie gesehen, denn es war streng unter einer Haube verborgen, aber er konnte es sich vorstellen. ...

Dorothy Dunnett: Niccolòs Aufstieg, Kapitel 6, S. 103, Klett-Cotta, Stuttgart 2006

Marian -, die nach dem Tod ihres Mannes die Färberei in Brügge leitet, ist Claes' Lehrherrin. Daß Frauen Geschäfte führten, war nicht ungewöhnlich. Als Witwe war Marian dafür verantwortlich das Erbe ihres Mannes für ihre Kinder, Felix, Tilde und Catherine zu verwalten. Deshalb war es durchaus gesellschaftlich unterstützt, daß sich Witwen nicht wieder verheirateten, da dann der neue Mann und seine Familie Ansprüche auf das Erbe anmelden konnten. Trotz ihres relativ unabhängigen Witwenstandes gibt es für Frauen wie Marian Einschränkungen. Wenn es um juristische Angelegenheiten, wie z.B. Verträge und Gerichtsverhandlungen geht, braucht Marian männliche Vertreter, die ihre Interessen in der Öffentlichkeit wahrnehmen.

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