Violante von Naxos

Pisanello, Sankt Georg und die Prinzessin von Trapezunt, Detail des Frescos in der Pellegrini-Kapelle, Sant'Anastasia, Verona, 1436-38


"Die Prinzessinnen von Trapezunt sind berühmt für ihre Schönheit." Das hatte ein einbeiniger Dämon im vergangenen Herbst in Brügge zu ihm gesagt, als er ihn mit dieser Frau bekannt gemacht hatte. "Wir brauchen eine Medea", hatte Julius erst kürzlich erklärt. Und nun hatten sie wahrscheinlich eine, dachte Nicholas, den Blick auf die Frau gerichtet, die vor ihm saß wie auf einem Thron.
Violante von Naxos, Prinzessin von Trapezunt, stand zu dieser Zeit in der Blüte ihrer Schönheit und es sollte noch lange so bleiben. In Brügge war sie mit dem auffallenden Prunk venezianischer Mode gekleidet gewesen, einer Dame angemessen, deren Ehemann es sich leisten konnte, das Schweigen des Hauses Charetty über Tolfa zu kaufen.

Dorothy Dunnett: Dorothy Dunnett: Frühling des Widders, Kapite1 15, S. 244, Klett-Cotta, Stuttgart 2006

Violante von Naxos, die Nichte Kaiser David Komnenos von Trapezunt, ist die Ehefrau des venezianischen Kaufmanns Caterino Zeno.
Auch ihre sechs Schwestern haben in mächtige venezianische Familien eingeheiratet, die starke Interessen im Handel am schwarzen Meer, in der Levante und auf Zypern haben.
Als die Osmanen in Kleinasien immer weiter vorrückten und Konstantinopel fiel, hatten die Eltern von Violante, der Herzog Niccolò Crespo von Naxos und seine Ehefrau Valenza, die Schwester des letzten Kaisers in Trapezunt, dieses Netzwerk begründet um die Interessen der Familie im Mittelmeer zu wahren. Von Violante gibt es kein Bild, und ich habe selbst lange gezögert, ob ich nicht ein anders Portrait für sie hier einstelle. Doch die sehr aufrechte Haltung der Frau in den prächtigen byzantinischen Gewändern trifft meine Vorstellung von Violante besser. Und zudem ist auf dem Fresco auch das Tier zu sehen, das dem zweiten Band den Namen gab: ein Widder, ganz versteckt unten in der Ecke neben dem grauen Pferd.

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