Louis XI le Prudent oder Louis XI l'Araigne

Französicher Miniaturist, Regeln des St. Michaels-Orden, Handschriftenillumination auf Pergament, Detail, 1470-90


Die krummen Beine von sich gestreckt, saß der französische Thronfolger auf einem Polster und entsprach recht genau den Beschreibungen, die der Klatsch von ihm lieferte. Unter dem spitzen Hut mit der schmalen Krempe die schmale, abwärts gebogene Nase, die wulstiigen Lippen und das fliehende Kinn. Der mißtrauischste Mensch unter der Sonne, hatte einmal jemand gesagt.

Dorothy Dunnett: Niccolòs Aufstieg, Kapitel 23, S. 384, Klett-Cotta, Stuttgart 2006

Louis XI der Sohn Charles VII, - ausgestattet mit klarem Blick für seine politischen Vorteile und dabei oft vom Glück begünstigt - wurde zum Wegbereiter des königlichen Absolutismus und Zentralismus in Frankreich.
1459 kam es zum endgültigen Bruch zwischen Vater und Sohn, als er als erklärter Feind seines Vaters auftrat und Louis lebte fortan am Hof des Herzogs von Burgund.
Louis galt als einer der bestunterrichteten Männer seines Jahrhunderts, was ihm den Beinamen "l'Araigne = die Spinne" einbrachte. Er war vorsichtig, unermüdlich tätig und gerecht, wo nicht die Interessen seiner Macht im Spiel waren, aber auch grausam gegen seine Gegner und Widersacher, im höchsten Grad abergläubisch, misstrauisch und extrem zynisch.
Er legte sich, mit päpstlichem Einverständnis, erstmals den Titel "rex christianissimus" (allerchristlichster König) zu und gründete 1469 den Ordre de Saint-Michel, den ersten französischen Ritterorden. Interessiert in Kunst und Wissenschaften förderte er neue Techniken, wie den Buchdruck, neue Forschungen in der Medizin und reformierte die Universität von Paris.

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